Berlin Festival 2011: Zungenkuss mit Boy George

Zwei Uhr Nachts. Westin Grand Hotel, Berlin Mitte. Die beiden Technoheads sind noch unterwegs. Der Anwalt hingegen sitzt am Schreibtisch seiner Juniorsuite, kaut Kopfschmerztabletten und überlegt, was er vom ersten Tag des diesjährigen Berlin Festivals halten soll.
Organisatorisch war das vor allem vor Beginn des Musikprogramms mal wieder eher suboptimal. Kann man den Ordnern, die an exponierter Stelle stehen, nicht wenigstens die drei bis vier logistischen Grundlagen der Örtlichkeit erklären? Da stehen Menschen in Anzügen vor überdimensionalen ‘Exit’ Zeichen und erklären uns, dass dies aber jetzt mal kein Ausgang sei. Inkompotenz wohin man schaut. Jede gestellte Frage wirft in etwa fünf neue auf. Schließfächer waren bis Nachmittags auch Fehlanzeige. “Wurde doch auch nicht kommuniziert.” Nee, ist klar. Die Pressefritzen sollen Laptop und Kamera einfach die ganze Zeit mit sich rumschleppen.
Musikalisch sind James Blake, CSS und Primal Scream eher schwierig. Herkules and the Love Affairs haben zwar das Publikum im Griff, kickten aber auf Grund des schlechten Sounds vor der Bühne auch nicht wirklich. Erster gemeinsamer Nenner der Crazewire-Reisegruppe war dann die Apparat Band. Ein visuell wie auch soundtechnisch wahres Highlight. Die letzte Band auf dem Gelände Tempelhof waren Suede. Der Anwalt entzückt, die Technoheads lächeln eher milde.
Also auf zum Xberg, der Neuerung des diesjährigen Berlin Festivals. An dieser Stelle muss das organisatorische Talent der Veranstalter durchaus gelobt werden. Denn Abreise vom Flughafen zur Arena klappte problemlos. Die Kulisse des Club Xbergs beeindruckt uns mit “Flashy Lights” und Spree-Blick bis zum Set von DJ Hell.
Dass der Anwalt nach Kruder & Dorfmeister lieber zum Kopfschmerztabletten kauen ins Hotel fährt war klar. Schönheit braucht eben Schlaf…
Der um sechs Uhr jäh unterbrochen wird, da zwei euphorisierte Wahnsinnige auf sein Bett springen, von Boy George und Boys Noize faseln und dann versuchen “Zwei bei Kallwas” im Fernsehen zu finden. Man kennt das ja.
Culture Club - Karma Chameleon
