c/o pop 2011 - Bässe so fett wie pralle Ärsche! Oder: Wer ist bitte mother f***ing David Garrett?!

Zum dritten Mal in Folge fand während der c/o pop jetzt ein “Pop”-Konzert in der Kölner Philharmonie statt. Im Prinzip mittlerweile ein fester Bestandteil, eine Tradition, die nur für die teilnehmenden Bands mit der ungewohnt, (un)traditionellen Geste endet, am Ende ihrer Show von einer netten Dame der Philharmonie Rosen überreischt zu bekommen. So standen Apparat als auch später Owen Pallett etwas verdutzt und ungelenk aber sichtlich geschmeichelt mit einer Rose in der Hand oder zwischen den Zähnen auf der Bühne. Mit Traditionen soll eben nicht gebrochen werden. Erst recht nicht in der Philharmonie.
Abgesehen, dass das Publikum nicht in der gewohnten Kluft zum Konzert erschien, der Alterdurchschnitt bedeutend jünger war als bei einem klassischem Konzert und die Musik in den Bereich so genannten “U-Musik” fällt, war das Prozedere am gestrigen Abend wie gehabt. Anständig wurde sich benommen, der zugewiesene Platz eingenommen und natürlich nicht geredet.
Musste man ja auch nicht, da die neuerdings dem Post-Rock verfallenen Elektro-Pop-Auswüchse von Apparat einem den Atem verschlugen. Mit Band und ganz organisch zeigte sich der Berliner Sascha Ring in etwas ungewohnter Form. Sein aktuelles Album “The Devil’s Walk” ist aber nunmal klanglich so weit von den elektronischen Tüfteleien entfernt, für die er eigentlich bekannt ist, wie noch nie. Sogar ein Hauch Sigur Rós wehnte durch den gigantischen Konzertsaal. Episch, ausufernd und träumerisch. Musik, die man erst einmal sacken lassen muss. Trotzdem riss er das Publikum mit gelegentlichen alten Songs und hämmernden Beats aus seiner Trance.
Auch Owen Pallett, der Hauptact an diesem Abend, setzte auf eine Band. Etwas, auf das der kanadische Ausnahme-Musiker eigentlich nicht braucht, aber gerade den Songs seines fantastischen Albums “Heartland” richtig gut tat. Und diese Schlagzeugerin! Mein Gott, was war sie gut. Pallett hingegen zeigte sich in unterhaltender Best-Form. Für kleine Scherze zu haben und mit der nötigen Portion Selbstironie spielte er routiniert und sehr leidenschaftlich seine Version von Neo-Klassik oder Indie-Streicher-Pop. Sein Talent bei all den Loops an Violine und Keyboard, die er live einspielt, nicht aus dem Rhythmus zu geraten, ist einzigartig. Schicht für Schicht trug er ergreifend dicht auf und malte verzaubernde Arrangements in die Philharmonie. Nicht extrovertierte Raffinesse oder spiel-technische Übertreibungen sind sein Metier: verdichtete Elementar-Kunst, die wie locker aus dem Handgelenk geschüttelt klingt. Und so kam es auch, dass seine zweite Zugabe wie gerade erst in den Sinn gekommen erschien. Mit ein paar Kniffen baute er Loops, Sequenzen, Beats und Harmonien zu Caribous “Odessa” zusammen. Wahnsinn.
Owen Pallett - Odessa (Caribou Cover)
Gleichzeitig saß mein Kollege Bastian Küllenberg im Klaus von Bismarck Saal des WDR Funkhauses am Wallrafplatz, um dem ausnahme Techno-Ensemble Brandt Brauer Frick zu zu hören. Ein Abend also, der nur auf den ersten Blick “klassisch” und “anständig” verlief.

Doch mit dem DJ-Konzerten von James Pants, Hudson Mohawke und 2562 im Studio 672 wurde das andere Extrem am zweiten c/o pop-Abend serviert. Stones Throws James Pants stellte mit seiner frenetischen Live-Show unter Beweis, dass er nicht nur ein hervorragender Produzent sondern auch eine wahre Bühnensau ist, die musikalisch kein Blatt vor den Mund nimmt. Er zauberte einen heißen Tanz zwischen 60er Psychedelic, 70er Soul und Funk, Golden Age, Drum’n’Bass, Dub Step und allem was ihm sonst noch so gerade einfiel. Die Lautstärke bewegte sich immer am Limit.
Bis in Mark fuhren dann auch noch die heftigen Bässe, die nervöse Rhythmik und der schmutzige Sex-Appeal des jungen Britten Hudson Mohawke. Alles bebte und dröhnte zu seiner elektronischen Definition von HipHop und Dub so sehr, als ob gleich mehrere Jumbo-Jets gleichzeitig starten würden. Das war derbe, dreckig und mit so fetten Bässen bestückt wie ein praller Frauen-Hintern in grellem Neonlicht. Big up!
Hudson Mohawke - Thunder Baby
Heute geht’s zu Wu Lyf und zu Kompakt mit vielen heißen Techno- und Minimal-Heads! Aber auch Kreidler, Philipp Poisel, beat!beat!beat!, Balthazar, Bye Bye Bicycle, Egyptrixx und Joe Coseness werden richtig einheizen oder uns schwelgen lassen!
Michael Weber
Notes
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