Melt 2011 - Tag 1: Endlich wieder Internet!
“Das sind doch die mit dem Song aus der Werbung!”. Jup, das sind sie. Nach Little Dragon die nächste Band mit kleiner, asiatischer Dame an der Spitze der Bühne. Ach, “Naked and Famous?” Genau die. Epische Musik mit großen Gefühlen. Und natürlich diesen 2 Welt-Hits, die ihr entweder, wie ein Großteil des Publikums, liebt - oder bereits so absolut nicht mehr hören könnt.
Weitaus ruhiger, minimalistischer und in sich gekehrter ging es im Anschluss bei Apparat zu. Direkt am Strand von Ferropolis spielte er seine Songs in band-tauglichen Versionen. Mit sympathischen Anfänger-Fehlern zum Anfang. Am Ende spielte der Berliner auf der Bühne seiner Modeselektor-Freunde aber groß auf. Mit engelsgleichem Stimmchen, gelocktem Haar und Bart. Ein wenig so wie Jesus. Nur eben mit Trenchcoat. Beinahe ebenso interessant war auch das Publikum. Vom Scheich, bis zum Ritter der sich - kein Scherz - mit einem Drachen duellierte. Multikulti in Extremform in Ferropolis. Fantastisch. Um Mitternacht dann die unvermeidliche Running-Order-Problematik. Null Uhr: Cut Copy. Null Fünfzehn: Gold Panda. Null Dreißig: Robyn. Fuck. Will man eigentlich alles sehen - sollte man wohl auch. Leider ist das mit der geistigen Anwesenheit an drei Orten zur selben Zeit noch ein unlösbares Problem. Und dieses umher rennen im 15-Minuten-Takt kann jetzt auch nicht die Lösung sein. Also muss Der britische Frickel-Majestro Gold Panda dran glauben. War aber super, sagt man. Aber Cut Copy können das schon auch. Machen gute Musik, sind gut gelaunt und erinnern ein wenig an Hot Chip - nur eben in geschniegelt und gestriegelt. Robyn ist dann mal wieder so ein Fall für den Foto-Graben. Vermutlich hat die Dame schon so gut wie jeder von euch mal live gesehen. Trotzdem: Dieser Frau auf der Bühne zuzusehen macht immer glücklich - selbst wenn man die Musik eher semi-gut findet. In einer gerechten Welt wäre sie der größte weibliche Popstar der Welt. Auf jeden.
Danach dann der erste Durchhänger. Also erstmal die Vorzüge des Presse-Freunde-Bereichs ausgetestet und am See entspannt. Und das sehr lange. Man hätte sich auch den großen Kalkbrenner geben können, aber irgendwie erschien der Weg zur Mainstage alleine beim Gedanken daran ähnlich beschwerlich wie eine Berg-Etappe der Tour de France. Nach ausgedehntem Reboot ging es dann zu Azari & III. Keine Ahnung, was die für Musik machen, aber soll gut sein. Auf der Bühne sieht das dann so aus: Zwei Computer-Nerds stehen hinter Laptop und Synthie und legen zum Tanz auf. Davor stehen zwei dünne, paradiesvogel-mässig gekleidete Brooklyn-Hipster, tanzen ausgelassen und singen mehr oder weniger gut. Irgendwie gut - aber mitreissend? Eher nicht. Dann eben am Strand diese merkwürdigen A.T.O.L. angesehen. Klingt komisch, stecken aber die Namen Marcel Dettmann und Modeselektor dahinter. Bronsert und Szary tun das was sie am besten können - und drehen ordentlich den Bass auf. Und der Typ aus der Berghain-Klicke? Der schwenkt eine Flasche Rosé, drückt Knöpfchen und freut sich.
Dann kommt die Sonne und die schwerer werdenden Beine tragen einen zu Gui Boratto, der den Soundtrack zu einem dieser unvergesslichen Melt-Momente liefert. So perfekt.
Offizielle Hompage: Melt Festival
Sascha Ehlert
Notes
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