Melt 2011 - Tag 3: Rückschau.
Es ist Sonntag. Katerstimmung natürlich. Aber zumindest bleibt erstmal genug Zeit, um das im Verlaufe der gestrigen Nacht Gesehene zu verarbeiten. Zum Beispiel den Auftritt von SBTRKT. Der britische Produzent spielte vor großem Publikum am Strand ein großartiges Live-Set. Dafür verantwortlich: die live eingespielten Drums und der häufige Einsatz der eigenen Stimme als Instrument. Der Gig vereinte dadurch gleichberechtigt House, die britischen Elektronik-Trends der letzten Jahre und Soul zu einer faszinierenden Melange.
Mit Spannung erwartet wurde auch der letzte Deutschland-Auftritt von The Streets. Ein melancholischer Mike Skinner auf der Hauptbühne, der den Tränen nahe seine größten Hits zum Besten gibt? Zum Glück nicht. Ausreichend Songs für die Ewigkeit hatte Mike natürlich im Programm, ansonsten war die Stimmung aber durchweg locker und gelöst. Der Brite erzählte viel Quatsch, lobte deutsche Autos und Circle Pits. Er sprang ausgelassen auf den Boxen herum und kickte die stetig herumfliegenden Werbe-Plastik-Bälle wie Beckham zurück ins Publikum.
Metronomy machten direkt im Anschluss einen ähnlich guten Eindruck. Spielfreude, Klasse und die richtigen Songs. Die Band befindet ein aktuell auf dem vorläufigen Höhepunkt ihres Schaffens - und das merkt man.
Den für das Melt-Publikum ungewohntesten Auftritt zeigten ohne jede Diskussion K.I.Z.. Obwohl die Intro die Berliner Jungs lange Zeit komplett boykottiert hat, traten sie in jenem Zelt, das den Namen der Popkultur-Gazette trägt, auf. Skimasken und Geldscheine. Liebe und Sex. Der Auftritt der Kannibalen in Zivil setzte sich erwartungsgemäß von allem ab, was sonst so an diesem Wochenende passierte. Provokante Texte, bitterböser Humor, Kraftausdrücke und nackte Oberkörper. Alles Dinge, die beim Melt! sonst traditionell vernachlässigt werden. Das Publikum nahm es dankbar auf, rappte fleißig mit und bewies endgültig, dass HipHop und Melt! sich durchaus gut verstehen können.
Nach Crystal Castles und Modeselektor ging es dann wieder mal für ein paar Stunden Richtung Zeltplatz, irgendwie muss man ja auch noch den Sonntag überstehen. An diesem hat sich die Sache mit dem guten Wetter allerdings schnell erledigt. Regenwolken ziehen auf und bereits Katy B muss auf der Hauptbühne gegen den Regen ansingen. Im Laufe des Abends treten dann auch noch Bod Bill, Pulp, Junip und Chase & Status auf. Wir sitzen dann allerdings wohl bereits im Zug Richtung Heimat. Der Alltag ruft und man kann ihn kaum noch überhören.
In einigen Tagen gibt es dann auf crazewire.de einen ausführlichen Nachbericht, unser Fazit, sowie viele Fotos von so ziemlich allen Auftritten, die wir uns angesehen haben.
Offizielle Hompage: Melt Festival
Sascha Ehlert

