Haldern Pop und Crazewire – Geschichte verbindet 2005

Nach dem Festival 2004 hatte sich Haldern bei uns im Festivalkalender als feste Größe etabliert. 2005 sollte ein Jahr des Aufbruchs zu noch größeren Ufern werden. Die Macher um Stefan Reichmann wollten sich längst nicht damit zufrieden geben ein Festival zu veranstalten, welches jedes Mal nahezu ausverkauft ist, sondern eine komplette Infrastruktur um die Musik neu aufbauen. 2005 gründete man wider aller Industrietrends das Haldern Pop Label und veröffentlichte neben einer Live-EP von „Under Byen“ von deren Auftritt in Haldern 2003 mit dem neuen Album von Das Pop einen waschechten Elektro Pop Klassiker. Die Band aus Belgien sollte auch zu einem der Highlights im Spiegelzelt 2005 werden. Hatte man die Jahre zuvor schon nicht viel falsch gemacht, übertraf 2005 alle Erwartungen. Man hatte sehr früh den richtigen Riecher für die aufkommende Indie Welle. Franz Ferdinand wurden, nachdem sie im Jahr davor nicht spielen konnten, für eine exklusive Show samt neuem Material gebucht, stand doch die Veröffentlichung ihres zweiten Albums kurz bevor. Mit Nada Surf, Art Brut, Moneybrother, Phoenix, Tocotronic und natürlich Mando Diao traf man den Zeitgeist sehr genau und bot mit The Coral, British Sea Power, Robocop Kraus, Kaizers Orchestra, The Magic Numbers und Zita Zwoon insgesamt ein Line Up, dass in der Breite in diesem Jahr einmalig war. Mando Diao und Franz Ferdinand befanden sich zu diesem Zeitpunkt auf ihrem zumindest vorläufigen kreativen Höhepunkt ihrer Karriere und mit den Kaizer Chiefs und Art Brut standen schon die nächsten tanzbaren Bands auf der Matte. So war es kein Wunder, dass man diesmal schon Monate im voraus den Ausverkauf aller Festivaltickets verkünden konnte.

Das Wetter wollte an diesem Wochenende leider nicht so recht mitspielen und machte den Einstieg für die vielen Haldern Neulinge zunächst nicht so leicht. Problematisch vor allem, dass das Festivalgelände auf einer alten inzwischen geschlossenen Müllhalde liegt, deren Plastikabdeckung es unmöglich für den Regen macht vernünftig abzufließen, weshalb sich das Gelände innerhalb von kürzester Zeit in ein riesiges Matschareal verwandelte. Man stand Knietief im Schlamm und beneidete ein wenig die Regenstiefelbesitzer. Am zweiten Tag versuchte man der Lage mit Plastikplanen und Sägespänen Herr zu werden was teilweise Erfolg brachte. Alles lässt sich dann doch nicht planen, aber das muss auch nicht immer schlecht sein.
Denn auch das ist Haldern: Bands schauen auf der Durchreise einfach mal kurz vorbei für einen Überraschungsauftritt und hüpfen anschließend in den See. Die Sportfreunde Stiller wollten ihrer Vorband Nada Surf auf die Finger schauen und spielten selbst mittags noch im überfüllten Spiegelzelt. Sie coverten während ihres Auftritts Tocotronic, was die Hamburger wohl nicht so amüsant fanden und sich auf ihre Art revanchierten und „Aber hier Leben Nein Danke“ als ein „Heimatlied ankündigten.
Mein persönliches Highlight sollte aber der Auftritt von The Polyphonic Spree zum Abschluss des Festivals avanchieren. Die Band mit ihren 25 Musikern schaffte es mit ihren Liedern vom Sonnenschein der durchnässten Menge wieder ein wenig Wärme zu spenden.
Songs des Festivals:
- Fabian Töpel
