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3:14 pm - Tue, Jul 20, 2010

Blogtrip FIB 2010 - Epilog

Es ist kühl im Zug, der mich zurückfährt nach Barcelona, wo ich noch die nächsten drei Tage verbringen werde, bevor der Flieger am Freitag zurück in die Heimat fliegt. „Erst einmal Urlaub“ sage ich meinem französischen Kollegen Sebastien, mit dem ich in den letzten Tagen großartige Gespräche über Gott und die Welt (und vor allem Musik) hatte. „Urlaub vom Urlaub“, sagt er, ohne den gleichnamigen Deichkind-Song zu kennen. 

Die Straßen in Benicassim waren schon am gestrigen Tag wieder größtenteils menschenleer. Die vielen zugereisten Engländer haben bereits früh an diesem Montag die Stadt in Sonderzügen und -bussen verlassen. Die Einheimischen dominieren wieder das Straßenbild. Es wirkt beinahe so, als hätten sich die Einwohner ein ganzes Wochenende nur in ihren Häusern aufgehalten, um nun vorsichtig ihre Köpfe wieder herauszustrecken und zu sehen, ob alles wieder beim alten ist. Ja, alles ist wieder beim alten. Wenigstens für die nächsten knapp 360 Tage. Dann fängt der Wahnsinn wieder von vorne an.

Ein bisschen Wehmut ist dabei, als der Zug den Bahnhof Benicassim Richtung Barcelona verlässt. Aus dem angestrebten Job als Alleinunterhalter im Hotel ist dann leider aufgrund mangelnder Spanischkenntnisse nichts geworden (Erinnerung an mich selbst: im Winter einen Spanischkurs besuchen). Beim an sich hervorragenden Kurzfilmfestival „FIB Cortos“ hat mit „Cheveu“ von Julien Hallard vielleicht nicht der beste Beitrag gewonnen. Aber nachdem die Franzosen so früh bei der WM ausgeschieden sind, können sie sich vielleicht an diesem kleinen Triumph erfreuen. Hier noch einmal der offizielle Trailer, zu dem die spanische Band Chin Yi einen klasse Song beigesteuert haben:

Großen Gefallen habe ich auch an den dreistündigen Mittagessen gefunden, die gemeinsam mit den anderen Bloggern veranstaltet wurden. Mit dem „La Manduca“ habe ich sogar ein neues Lieblingsrestaurant in Benicassim gefunden, nachdem man sich die letzten beiden Jahre während des Festivals fast ausschließlich von selbstbelegten Baguettes ernährt hat. Ich habe mit dem Meer gekämpft (und verloren) und das köstliche Erfrischungsgetränk Horchata für mich entdeckt. Vom grandiosen Musikfestival mit den unzähligen hochkarätigen Auftritten möchte ich an dieser Stelle nicht allzu viele Worte verlieren. Hierzu folgt in den kommenden Wochen noch ein eigener, ausführlicher Bericht auf unserer Homepage.

Ich muss schmunzeln bei all diesen Erinnerungen. Drei Stunden später schon plärrt die Stimme des Schaffners „Proxima estacion: Barcelona Sants“. Endstation. Der Zug hält an, die Parallelwelt Benicassim, in der ich mich die letzten acht Tage aufgehalten habe, löst sich langsam im Wirrwarr der Zuggäste, die nun ihre Koffer langsam durch den Zug zu den Ausgängen schleppen, auf. Ich lächle noch immer.

Und hier steige ich aus.

 

 

                                           ENDE

Text: Dominik Knauf

Fotos: Berit Dröse

2:29 pm - Mon, Jul 19, 2010

Blogtrip FIB 2010 - Tag 8 oder: “Wer braucht eigentlich Designer-Bier?”

Von einer in den vergangenen Jahren lieb gewonnenen Einrichtung musste man sich dieses Jahr schweren Herzens verabschieden. Die Pressetribüne, auf der man in den zurückliegenden Jahren so manches Konzert auf der Haupttribüne verfolgt hat, fiel wohl den Umbaumaßnahmen auf dem Festivalgelände zum Opfer. Denn dort, wo die Tribüne einst stand, wurde nun Platz für weitere Zuschauer geschaffen. Da der Platz vor der Haupttribüne in diesem Jahr jedoch nie komplett ausgelastet war, stellt sich die Frage, ob diese Maßnahme wirklich nötig war. Denn bei dem ein oder anderen Konzert hätte ich mir diese Tribüne schon gewünscht. Broken Bells um 3 Uhr nachts? Gerne, aber eben nur im Sitzen.

Doch stattdessen wurde den Pressevertretern der Zugang zum VIP-Bereich gewährt. Dem legendären VIP-Bereich. Dem VIP-Bereich mit seinem eigenen Pool. Eine nette Spielerei, doch im Endeffekt hat man für solche Gimmicks keine Zeit. Denn will man sich wirklich zwischen all den Schönen und Reichen, den Wichtigen und Wichtigtuern, nur in seiner Badehose bekleidet zeigen? Besser ist da schon die riesige Sitzlandschaft, die in der Mitte des Bereiches errichtet wurde. Eastpak hat sein eigenes Zelt, genauso Heineken, die ihr Bier am Stand zum doppelten Preis verkaufen. Mit der Begründung, dass es sich bei der futuristisch anmutenden Flasche um ein „Design-Produkt“ handelt. Es soll Menschen geben, die sich diese Flasche gekauft haben, nur um sie dann zu Hause in die Vitrine zu stellen. Was in etwa so sinnvoll ist, als würde Currywurst-Klaus um die Ecke sein „Highend-Produkt Currywurst Pommes“ in einer ergonomisch und passgenau angefertigten Retro-Kunststoffschale im Stile Verner Pantons anbieten. Da kann man dann nur noch seinen Kopf schütteln. Aber bitte im Takt zu Dizzee Rascals „Holiday“.

Text: Dominik Knauf

Foto: Berit Dröse

5:20 pm - Sun, Jul 18, 2010

Blogtrip FIB 2010 - Tag 7 oder: “The eternal struggle”

Ein wenig fühlt man sich schon geschmeichelt, wenn man auf einem großen Videobildschirm den Namen der Publikation lesen kann, für den man gerade diese Zeilen verfasst:

Also selbst The Prodigy (oder wenigstens deren Management) scheinen Crazewire zu kennen, vielleicht verfolgen sie ja gerade diesen Blog. Falls sie es tun sollten: Sorry Jungs, ihr wart mal sehr wichtig für mich und meine musikalische Früherziehung. “No Good“ oder „Outer Space“ waren Songs, zu denen ich stundenlang vor der eigenen Stereoanlage getanzt habe. Ich skandierte sogar „Smack My Bitch Up“ lauthals mit, bevor ich überhaupt wusste, was diese Zeile bedeutet. Nun seid ihr aber ein millionenschweres Unternehmen geworden, für das das Wort „Beballerungskommando“ einst erfunden wurde. Immer mehr, immer weiter, bam bam BAM! Und vor allem: Immer das gleiche. Trotzdem reicht es noch immer für ein paar gute Fotos vom alten Irrwisch Keith Flint:

Und es ist nur ein von unserem französischen Kollegen Sebastien (ebenfalls auf „dem Schirm“ für Magic!) gestreutes Gerücht, dass man für schlechte Bilder von The Prodigy verhaftet werden kann. Hat er, so sagt er, in dem Vertrag gelesen, den er unterschrieben hat. Dann haben wir wohl einen anderen Vertrag bekommen. Tagsüber war statt Entspannung Bewegung angesagt. Bereits früh findet sich die Bloggergruppe übermüdet vom vorigen Abend am Strand „Voramar“ wieder, wo für uns „nautische Aktivitäten“ vorgesehen sind. Das heißt: Kajak fahren auf dem offenen Meer und eine Katamaranfahrt. Vor allem ersteres gibt einem ein Gefühl grenzenloser Freiheit. Alleine in einem kleinen Kajak, vor einem nichts als das weite Blau. Der ewige Kampf „Mensch vs. Natur“ in seiner ureigensten Form. Am Ende steht es 1:0 für die Natur, die Strömung ist so stark, dass man immer wieder abtreibt und seine amateurhaften Fähigkeiten am Paddel vor den Augen des spanischen Ruderlehrers unter Beweis stellt.

„Dann schon lieber Katamaran fahren“, denke ich mir und vergesse dabei, dass ich soeben im bereits wohlbekannten Restaurant „Voramar“ ein exquisites und reichhaltiges Brunch zu sich genommen hat. Der Katamaran gleitet zwar schnell über die Wellen hinweg, doch das Salzwasser peitscht mir das ein oder andere Mal direkt ins Gesicht, das Gefährt wogt wahnwitzig hin und her, so dass ich im Kopf noch einmal durchgehe, was ich eben alles so gegessen habe. Glücklicherweise bleibt es nur bei der gedanklichen Bestandsaufnahme, auch wenn ich am Ende wieder heilfroh bin, festen Boden unter den Füßen zu haben. Mensch vs Natur 0:2. Eine eindeutige Niederlage.

Fotos: Berit Dröse / Ana Pilar

Text: Dominik Knauf

4:49 pm - Sat, Jul 17, 2010
1 note

Blogtrip FIB 2010 - Tag 6 oder: “Kann man das trinken?”

In den Cafés und Bars in Benicassim sind sie einem schon aufgefallen. Und auch im Supermarkt, wenn man gerade sein Sixpack Heineken in den Einkaufswagen legt, kann man sie sehen: Einheimische, die ein merkwürdiges weißes Getränk bestellen, kaufen oder gerade trinken. Milchig ist es, süß auch und angenehm nussig. Schon nach den ersten paar Schlucken bin ich ein absoluter Fan dieses Getränks geworden. Doch worum handelt es sich dabei genau? 

Ich frage die spanischen Blogger unter uns und bekomme gleich wie selbstverständlich die Antwort. „Horchata“ heißt das erfrischende Kaltgetränk, das aus zerstampften Nüssen besteht und als „Horchata de Chufa“ eine valencianische Spezialität ist. Hierzu werden Erdmandeln gepresst und mit Wasser und Zucker gemischt. Trotz seiner milchigen Konsistenz sind in der „Horchata“ nur diese drei Zutaten enthalten. Im Supermarkt gibt es „Horchata“ in den verschiedensten Formen. Einmal im Kühlregal als frischzubereitetes Getränk, dann abgefüllt in Flaschen und zuletzt im Tiefkühlregal, wo es wie Eiscreme verkauft wird. Vielleicht erlebt die „Horchata“ ja auch bei uns zu Hause bald ihren Siegeszug, nachdem Vampire Weekend dem Song einen Titel auf ihrem neuen Album gewidmet haben.


Da trifft es sich gut, dass Vampire Weekend auch auf dem FIB 2010 auftreten und zwar als Headliner. Zuvor bewiesen Hot Chip, dass sie wie geschaffen sind für die große Bühne. Den Nerd-Faktor haben Alexis Taylor und Co. dabei konsequent zurückgeschraubt und ihn  durch eine uneitle Coolness ersetzt, die beim Publikum bestens ankommt.


Am Nachmittag trafen sich dann alle Blogger im edlen Restaurant „La Manduca“ in der Benicassimer Innenstadt. Unscheinbar liegt dieses Restaurant zwischen Imbissbuden und Touristenläden, so dass man es leicht übersehen kann. Doch wer einmal das Vergnügen hatte, hier essen zu dürfen, der wird dieses Restaurant so schnell nicht mehr vergessen. Mit Liebe zum Detail zubereitete Gerichte, edle Vorspeisen und vor allem ein reichhaltiges Angebot an frischem Fisch machen „La Manduca“ zu einer der ersten und besten Adressen in Benicassim. Ideal, wenn man seiner Freundin auf dem Festival auch einmal etwas anderes als immer nur Pommes oder Pizza servieren will. Und das Preis-Leistungsverhältnis lässt auch für den kleineren Geldbeutel keine Wünsche offen. 

Zum Schluss noch ein Highlight des Kurzfilmfestivals, das gestern zu Ende ging. Regisseur Renaud Hallée zeigt in „Sonar“, das man auch mit minimalen Mitteln und Effekten beeindrucken kann, wenn nur die Idee stimmt:

Text: Dominik Knauf

Fotos: Berit Dröse

12:20 pm - Fri, Jul 16, 2010

Blogtrip FIB 2010 - Tag 5 oder: “Falsche Beatles und ein echter Kink”

Während sich die anderen Blogger auf dem Weg in die Berge nach El Maestrazgo (und einem vierstündigen Lunch-Marathon) begeben, um dort die mittelalterliche Stadt Morella zu besichtigen, schaue ich mir den zweiten Tag des „FIB Cortos“, des Kurzfilmefesitivals des Benicassim, an. War der erste Tag noch sehr durchwachsen, so überzeugen die vier Beiträge des zweiten Tages voll und ganz durch ihre gut gesetzten Plots. „Turn Me On, Dead Man“ des amerikanischen Regisseurs Adam Blake Carver erzählt anhand einer fiktiven Band die Geschichte der Beatles nach, wobei er jedoch ein kleines, aber wichtiges Detail im Vergleich zur realen Band verändert. Dies gibt dem Film eine ungeahnte Wendung, das Publikum im umfunktionierten Theatersaal in Benciassim ist begeistert und gibt Blake Carver, der sich ebenfalls unter den Zuschauern befindet, den verdienten Applaus.

„Teclópolis“ ist ein argentinischer Stop-Motion-Film, der von Javier Mrad mit viel Liebe zum Detail und großer Hingabe entstanden ist. „Parking“ (Jorge Molina) kann mit seiner rasanten Kameraführung, die uns in die Tiefen einer Parkgarage führt, punkten und der letzte Beitrag, „Voltereta“ (von Alexis Morante) rückt ein scheinbar unwichtiges, beiläufiges Ereignis in den Mittelpunkt der Erzählung eines kleinen Jungen, für den dieser Moment einen Wendepunkt in seinem Leben bedeutet. So unterschiedlich die Erzählsprache, so unterschiedlich die Herangehensweise an das Medium „Kurzfilm“ auch ist, so spürt man allen Beiträgen des Tages diese Leichtigkeit an, mit der die vier Regisseure Ausrufezeichen setzen.

Viel Zeit für den Strand oder andere Aktivitäten bleibt im Anschluss dann nicht mehr, denn nun ist es endlich so weit: das FIB 2010 öffnet seine Tore. Einiges wurde umgestellt, die dritte Bühne, die vormals eine Zeltbühne war, wurde nun geöffnet, so dass nun mehr Zuschauer auf den Platz passen. Überhaupt standen die Umbaumaßnahmen dieses Jahr wohl im Zeichen der Platzmaximierung, denn alles wirkt weitläufiger, größer und geräumiger. Vielleicht liegt es daran, dass es in diesem Jahr weniger Geschäftsbuden auf dem Gelände gibt. Vielleicht sind auch tatsächlich weniger Zuschauer als in den vergangenen Jahren vor Ort. Ein abschließendes Urteil kann hierzu wohl erst am Ende der vier Tage getroffen werden.

 

Jedenfalls löst sich an diesem Abend die in einem früheren Eintrag gestellte Frage, wo denn bloß alle Engländer hin sind? Die Engländer, die in den zurückliegenden Jahren fast den größten Anteil der Festivalbesucher stellten. Sie haben sich wohl nur ausgeruht und auf diesen ersten Tag gewartet, denn nun stehen sie beim Kinks-Sänger Ray Davies vor der Bühne und singen lauthals die alten Klassiker mit, als wären sie damals in den Sechzigern selbst mit diesen Songs groß geworden und nicht ihre Eltern. Ein imposantes Bild, das im Anschluss nur vom begeisternden Auftritt von Kasabian getoppt wird. „I‘m On Fire!“ singt Tom Meighan zum Schluss und ein ganzes Festival steht Kopf. Das FIB 2010 ist damit offiziell eröffnet!

Text: Dominik Kanuf

Fotos: Berit Dröse

11:40 am - Thu, Jul 15, 2010

Blogtrip FIB 2010 - Tag 4 oder: “Satte Blogger und unsichtbare Freunde”

Und täglich grüßt das Murmeltier. Nach nur zwei Tagen schleicht sich schon so etwas wie alltägliche Routine in den Tagesablauf. So finde ich mich auch an diesem Nachmittag am Strand wieder, döse vor mich hin und versuche einen Einstieg in „Vorstellung vom 20. Jahrhundert“, dem Debütroman des dänischen Schriftstellers Peter Høeg, zu finden. Vielleicht liegt es an der Hitze oder an der Verlockung des Meeres, das mich immer wieder magisch zu sich hinzieht, aber es will mir nicht so recht gelingen, mich auf das Buch zu konzentrieren. Morgen ist ja auch noch ein Tag, da wird dann der nächste Versuch gestartet.

Doch gibt es etliche „Ablenkungen“, die das Unterfangen „Reiselektüre“ hinterhältig behindern. Zum einen wäre da das Musikfestival (Hauptablenkung), das heute unter anderem mit Kasabian, dem Kinks-Sänger Ray Davies oder den Broken Bells eröffnet. Zum anderen hält mich auch das Kurzfilmfestival vom Lesen ab. Wie schon in den vergangenen Jahren wird auch dieses Mal aus insgesamt 15 Beiträgen ein Gewinner des sogenannten „FIB Cortos“ gewählt, wobei neben einer Jury auch das Publikum einen Preis vergeben darf. Der Eröffnungstag hatte aber mehr Schatten als Licht zu bieten. „Cheveu“ von Julien Hallard hat zwar eine nette Grundidee (Mann Mitte 30 setzt sich aufgrund einsetzenden Haarausfalls mit seiner Familiengeschichte auseinander), vermurkst aber diesen lockerleichten Einstieg durch melancholische Untertöne. Auch der deutsche Beitrag „Never Drive A Car When You‘re Dead“ von Gregor Dashuber besticht eher durch die grotesk animierte, im Punk-Stil gehaltene Ästhetik statt durch eine stringente Erzählstruktur. Besser macht es da „Mi Amigo Invisible“ (Regie: Pablo Larcuen), in der ein dicker, schüchterner Junge durch einen „imaginären“ Freund zu sich selbst findet. 

Am Abend treffe ich die anderen Blogger, die ebenfalls durch die Gemeinde Valencia eingeladen wurden. Größtenteils Reiseblogger, die zum ersten Mal in Benicassim sind. Einigen merkt man den Jetlag noch an, sind sie doch soeben erst aus den USA und Kanada eingeflogen. Die anderen kommen aus Holland, England, Spanien und Frankreich. Im noblen Strandhotel „Voramar“ bekommen wir unser Abendessen serviert. Es ist bereits 21:30 Uhr, aber so ist das halt in Spanien: Die Musik auf dem Benicassim beginnt ja auch erst später am Abend.


Es gibt Meeresfrüchte zur Vorspeise, dann Tintenfischringe und iberischen Schinken und als Hauptgang Paella in verschiedenen Geschmacksrichtungen und Farbkombinationen. Es wird gescherzt, es wird gelacht und über die einzelnen Projekte gesprochen.


Neben den unzähligen nun vorgestellten Reiseblogs schreibt Sebastien, der neben mir sitzende Franzose, ebenfalls noch für ein Musikmagazin. www.magicrpm.com. Ich habe zwar viel von meinem Schulfranzösisch im Laufe der Jahre vergessen, doch für den frankophilen Crazewire-Leser ist diese Seite sicherlich eine Bereicherung. Dann wird auch schon die Nachspeise gereicht, die Weingläser werden zum Toast gehoben und alle lächeln einander an. „Fast wie auf einem Familienfest“ merkt Sebastien an. Recht hat er: ein Familienfest, auf dem man den Großteil nicht kennt, der einem aber umgehend sympathisch ist.

11:32 am - Wed, Jul 14, 2010

Blogtrip FIB 2010 - Tag 3 oder: “Berufswunsch Alleinunterhalter”

Wolkenloser Himmel, Temperaturen konstant über 30 Grad - das sind die Wetteraussichten für die kommenden Tage in Bencassim. Herrliche Voraussetzungen auch für das übermorgen beginnende Festival. Schnell noch die Presseakkreditierung am Stand abholen, schnell noch am Festivalplatz vorbeischauen. Überall wird noch fleißig an den Bühnen geschraubt, werden Zäune montiert und letzte Vorbereitungen getroffen. Von Hektik keine Spur, alles passiert mit einer spanischen Lässigkeit, die bei diesen Temperaturen auch dringend nötig ist. Allein auf der kurzen Strecke vom Hotel zum Festivalgelände wird die erste Flasche Wasser geleert, im Laufe des Tages werden noch einige Folgen.

Ein kurzer Abstecher zum Campingplatz, der direkt neben dem Festivalgelände liegt. Auch hier ist in den Mittagsstunden Siesta-Zeit, werden nur vereinzelt ein paar Zelte aufgestellt. Ansonsten gilt auch hier: Kraft sparen für die kommenden Tage, die noch anstrengend genug werden. Im Gegensatz zum Campingplatz in der Innenstadt, der mit schattenspendenden Orangenbäumen gesäumt ist, haben die Veranstalter hier weiße Leinentücher auf wäscheständerähnlichen Konstruktionen befestigt, um wenigstens ein bisschen für Abkühlung zu sorgen. Auf dem Weg zurück zum Hotel werden wir über einen neuen Service aufgeklärt, der dieses Jahr zum ersten Mal angeboten wird: Man kann nun sein Gepäck direkt an einem Stand am Festivalgelände aufgeben, so dass man es nicht mehr mit zum Flughafen schleppen muss. Geliefert wird dann bis zur eigenen Haustür, gegen eine „kleine Gebühr“ von 30 Euro. Guter Service, noch ein wenig teuer vielleicht, aber es gibt einen Gratis-Frisbee, der dankend angenommen wird. Immerhin geht es jetzt zum Strand.

Der Strand ist das Prunkstück Benicassims. Das Meer ist angenehm erfrischend und klar, der Sand rieselt leicht durch die Zehen, wenn man ihn auf der Strandmatte liegend mit den Füßen aufhebt und da sich der Strand über mehrere Kilometer erstreckt, ist er auch alles andere als überfüllt. Eine Gruppe Franzosen spielt im Wasser die WM nach (mit demselben Ergebnis wie in der Realität), eine Gruppe Engländer spielt am Strand die WM nach (mit demselben Ergebnis wie in der Realität). Dazu wird sich gesonnt, bauen kleine Kinder ihre Sandburgen und selbst eine Gruppe Angler fischen auf einer Mole. 

Ich denke an den vorherigen Abend zurück, den ich auf dem Hotelbalkon genoss. Auf der Poolbühne stand ein spanischer Herr mittleren Alters, der mit seiner Musikanlage hantierend Karaokeversionen spanischer Evergreens auf eine Leinwand warf. So konnten sich die Hotelgäste unter anderem an „Porque Te Vas“ oder Juanes‘ „La Camisa Negra“ versuchen, mit unterschiedlichem Erfolg. „Vielleicht ist das ja mein Traumberuf“, denke ich halbschlummernd und im Sand liegend nach. Jeden Abend für ein paar Stunden Hotelgäste animieren, mit mir spanische Karaokesongs zu singen. Zwar kann ich noch kein spanisch und die wenigsten der dort gespielten Songs sind mir geläufig. Aber das kann man ja noch lernen. In meinem Kopf formuliere ich schon einmal meine Bewerbung, die ich morgen abgeben werde.

Am Abend geht es dann noch einmal in die Stadt, um sich dort die Dokumentation „Joy Division“ von Regisseur Grant Gee aus dem Jahr 2007 anzuschauen. Dies ist genau die richtige Einstimmung auf die kommenden Tage voller Musik, wenn man auf der Leinwand eine Band sieht, die Musik „aus den richtigen Gründen“ spielt. Wohldosiert lässt Gee die Band und Wegbegleiter zu Wort kommen und zeigt auf der anderen Seite Livemitschnitte der Band, die einen auch 30 Jahre danach noch in ihren Bann ziehen.

Beeindruckt geht man danach wieder zu seinem Hotel. Auf der Poolbühne spielt der Alleinunterhalter des gestrigen Abends nun auch internationale Karaokesongs, „YMCA“ und Beatles. „Warte ab“, denke ich mir, „meine Bewerbung ist schon so gut wie geschrieben“. Dann schlafe ich ein.

Text: Dominik Knauf

Fotos: Berit Dröse

10:46 am - Tue, Jul 13, 2010

Blogtrip FIB 2010 - Tag 2 oder: “Wo bleiben die Engländer?”

Eine Zugfahrt mit dem spanischen Bahnunternehmen RENFE ist jedes Mal ein kleines Happening. Zunächst ist da die komplizierte Onlinebuchung auf der eigenen Homepage, die den spanischunkundigen Zugreisenden vor linguistische Probleme stellt. Da wechselt die Seite urplötzlich die Sprache von Englisch auf Spanisch und wieder zurück, werden eine Unzahl an Ticketpreisen für ein und die selbe Strecke angegeben und am Ende wird einem die Zahlung mit der Kreditkarte verweigert. Es hat schon seinen Grund, warum es im Internet unzähligen Foren gibt, die sich nur mit der Problematik „Zugreisen buchen bei RENFE“ beschäftigen.

Hat man dieses kleine, langwierige Abenteuer jedoch unbeschadet überstanden und ein Ticket von Barcelona nach Benicassim ergattert, gibt es die nächste Überraschung am Bahnsteig. Anders als in Deutschland wird das Gepäck des Reisenden vor der Zugfahrt noch einmal wie am Flughafen durchleuchtet. Auch das „Boarden“ an einem Schalter, bevor man zum Gleis gehen darf, weckt Erinnerungen an Terminals, Departures und verspätete Flüge. Dafür muss die Fahrkarte während der Fahrt aber nicht andauernd wieder vorgezeigt werden. Ein interessantes Konzept.

Zweieinhalb Stunden dauert die Fahrt von Barcelona nach Benicassim, das an der Mittelmeerküste in der Nähe Castellons liegt. Ein Touristenort, der einmal im Jahr mit seinem Musikfestival der Extraklasse auch viele junge Engländer hierhin lockt. Doch im Vergleich zu den vergangenen Jahren sind dieses Jahr erstaunlich wenig Engländer vor Ort. Die Straßen und Bars, die in den vergangenen Jahren bereits am Montag, dem ersten Anreisetag, gefüllt waren mit sonnenbrandgefährdeten, unentwegt „Oasis!“ rufenden Zeitgenossen, sind in diesem Jahr noch relativ leer. Vielleicht ist dies auch nur die Ruhe vor dem Sturm. Die nächsten Tage werden es zeigen.

Und noch etwas ist anders als in den vergangenen Jahren. Statt auf dem orangenbaumgesäumten Campingplatz darf ich dieses Jahr im Hotel übernachten, dem Intur Orange. Ganz nah am Festivalgelände. Ganz nah am Strand. Selbstverständlich hat es seinen Reiz, nach einer langen Nacht morgens in einem langsam stickiger werdenden Zelt wach zu werden, sich schnell anzuziehen und dann für den Rest des Tages zum Strand zu flüchten und dort langsam braun zu werden. Möglicherweise werde ich aber auch einfach alt und lerne die Vorzüge von Air-Condition, eigenem Badezimmer und Frühstück im Hotelrestaurant zu schätzen. Eine Reise zum Benicassim war schon immer ein kleiner Urlaub, nun ist er auch noch Erholung.

Manche Dinge ändern sich jedoch nie. Die Stadt hat immer noch ihren ganz eigenen, mediterranen Touristenort-Flair, die Supermärkte haben rechtzeitig zum Festivalbeginn ihr Sortiment umgestellt (sprich: gekühltes Bier in rauen Mengen) und den besten (und günstigsten) Kaffee zum wach werden bekommt man immer noch in der Konditorei „Esther“ in der Innenstadt. Wer will, bekommt dazu auch noch leckeren Kuchen und ein freundliches Lächeln. Gerade diese Konstanten zeichnen Benicassim aus: Wenn sich auch alles um einen herum wandelt und verändert, bleiben in dieser kleinen spanischen Stadt für eine gute Woche die Uhren einmal komplett stehen. 

Und noch kurz etwas für uns Fußballfans. So gehen die Spanier, nur einen Tag nach ihrem WM-Sieg, mit ihrem neuen Maskottchen um. Sorry Paul, hättest du uns den Sieg vorausgesagt, wir hätten dir ein Denkmal errichtet. Aber das hast du nun einmal davon:

Text: Dominik Knauf

Fotos: Berit Dröse

4:14 pm - Mon, Jul 12, 2010

Blogtrip FIB 2010 - Tag 1 oder “Campeone, campeone!”

Es gibt wohl keinen günstigeren (oder ungünstigeren, je nach Betrachtungsweise) Zeitpunkt um nach Spanien zu reisen, als an diesem 11. Juli 2010. Der Tag des WM-Endspiels. Der Tag, an dem die Straßen in Barcelona menschenleer sind, die U-Bahnhöfe um die großen Plätze hingegen umso voller. Alle Spanier pilgern zum Public Viewing, es herrscht eine siegesgewisse Vorfreude. Krake Paul hat ihnen den Titel vorausgesagt, sie haben uns, das berauschendste, euphorisierendste Team aus dem Wettbewerb gekegelt, was soll da also noch großartig schiefgehen?

Rechtzeitig zur zweiten Hälfte platzt man hinein in diese Euphorieblase, die jeden Moment platzen oder aber explodieren könnte. Der Flug hatte Verspätung. Viel hat man scheinbar nicht verpasst, es steht noch 0:0, später erfährt man eher nebenbei, dass die Spanier eigentlich nur noch zu zehnt spielen dürften. Tun sie aber nicht. Statt zum überfüllten Public Viewing geht es in eine kleine spanische, Kneipe, die mit ihrem spartanischen Flair deutsche Tugenden ausstrahlt. Das Bier ist kalt, der Fernseher gut einsehbar, die Sitze unbequem und die Toilette direkt im Rücken. Da kann doch nichts mehr schiefgehen?

Zur Verlängerung werden die Besucher der Kneipe ungeduldig, so lange wollten sie nun doch nicht zittern. Es wird gestikuliert, es wird gejubelt, es wird geflucht. Fußballemotionen sind universelle Emotionen, wie man nun wieder amüsiert feststellt. Man muss kein spanisch verstehen, um mitzubekommen, dass die Kneipengäste auch nicht so recht verstehen, warum David Villa gegen Fernando „Glücklos“ Torres ausgewechselt wird. Doch lange hat man nicht, um darüber zu sinnieren, denn schon hat Spanien das erlösende Tor geschossen, dieses Tor, das die Feierlichkeiten eröffnet.

Spanien Weltmeister, „Campeone, campeone“-Rufe überall, Auto-Corsos, in Flaggen gehüllte Menschen, die freudig erregt die Straßen auf und ab laufen. Böllerschüsse, kleine Kinder, die zu diesem festlichen Anlass einmal länger aufbleiben dürfen und das Finale mit einem kleinen Ball auf dem Bürgersteig nachspielen. Auch wenn man selbst noch ein wenig dem eigenen verlorenen Halbfinale hinterhertrauert, freut man sich dann doch für und mit den Iberern. „Spanien Weltmeister, das könnte der Startschuss für ein großartiges, überschwängliches Benicassim 2010 werden“, denke ich mir und schlafe zu den Klängen von hupenden Autos, jubelnden Menschen und der Euphorie eines ganzen Landes spät nachts ein.

Text: Dominik Knauf

Fotos: Berit Dröse

8:22 am - Sun, Jul 11, 2010
1 note

Blogtrip FIB 2010 - Prolog

Anreise im Stau - Zeltaufbau - Regen - Bier - Musik - Schlafen - Regen - Bier - Musik - Bier. Der ganz normale Festivalalltag zurzeit in gane Europa. Jetzt, wo sie Saison langsam ihren Höhepunkt erreicht, stellt man wieder einmal fest, dass man auf einem Festival für ein Wochenende komlpett in einer eigenen Parallelwelt lebt. Einer Blase, in die man zu Beginn eintritt, um am Ende matschig, müde und voller Erinnerungen wieder im “normalen” Leben anzukommen. Was außerhalb der Festivalumzäunung passiert, ist für viele Festivalgänger zweitrangig, sieht man einmal vom täglichen Gang zum Supermarkt ab.

Gerade bei Festivals wie dem spanischen FIB (Festival Internacional de Benicassim) verpasst man jedoch eine ganze Menge, wenn man sich nur auf die “Hauptattraktion”, also die Musik, beschränkt. So viele Möglichkeiten bietet die Stadt Benicassim und ihre Umgebung, so dass man die freie Zeit nicht unbedingt auf dem Campingplatz verbringen muss.

In Verbindung mit der Tourismusbehörde Valencia präsentieren wir euch hier in den kommenden Tagen Einblicke fernab des Festivals. Was kann man nebenher noch in Benicassim unternehmen? Wo kann man gut essen gehen? Wie erleben die Einheimischen dieses Festival? Und wie werden die Spanier mit ihrer WM-Hysterie fertig, wo doch nun Krake Paul den Iberern den Sieg vorausgesagt hat?

All dies und noch mehr in den kommenden Tagen.

Dominik Knauf

Contributors
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